Auflösung der Schwesternstation Sandweier zum 1.September 1991

Die Gefahr gab sich für Sandweier aber noch nicht. Wohl aber mußte zum 1. März 1966 die Nähschule geschlossen werden. Dieser Hinweis ist eine der wenigen Erwähnungen der Nähschule überhaupt, obwohl davon ausgegangen werden darf, daß in den schweren Zeiten der 20er, 30er, 40er und 50er Jahre die Schwestern hier vieles geleistet haben, damit die Frauen und Mädchen zu günstigen Preisen Kleidung erstellen konnten.

Mit dem Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik Deutschland war daran wohl auch das Interesse mit der Zeit geschwunden. Jedenfalls übernimmt die politische Gemeinde das ehemalige Nähschulzimmer im Schwesternhaus, um dort den schulischen Handarbeitsunterricht zu erteilen, bis die neue Schule fertiggestellt sei. Im Januar 1971 wird dann der Mietvertrag der Nähschule zum Beginn des nächsten Schuljahres gekündigt. Inzwischen war der Kindergarten total überbelegt. Was schon 1963 durch den Caritasverband angemahnt wurde, wurde dann im September 1967 bereinigt durch die Erweiterung um zwei Gruppenräume.

Am 16. Januar 1968 kam dann Schwester Rogata als Kindergartenleiterin nach Sandweier. Ich betone dies deshalb, weil aus einem Schreiben von Pfr. Rinderspacher des folgenden Tages hervorgeht, daß schon damals zumindestens für ihn die Befürchtung groß war, daß eine Schließung der Schwesternstation bevorstehen könnte. Er schreibt nämlich: „Seit 16. Januar haben wir wieder eine Kinderschwester. Da man gebangt hat, ob uns überhaupt noch eine Schwester zugeteilt wird, ist die Freude groß.“ Von jenem Augenblick an, hing das Damoklesschwert einer Schließung der Schwesternstation immer über Sandweier. Mit jedem Schwestern-Wechsel befürchtete man die Schließung der Station.

Doch inzwischen hatte man zunächst einmal den Kindergarten erweitert und im Jahre 1973 zusammen mit der Hausmeisterwohnung auch einen weiteren Kindergartenraum geschaffen. Inzwischen waren die Elternbeiträge auf DM 35,­

bzw. DM 28,- geklettert. Im Juli 1974 sieht sich Pfr. Rinderspacher verpflichtet, nach Gengenbach zu melden, daß Sr. Maria Irmentrudis wohl ihrer Aufgabe als Krankenschwester altershalber nicht mehr nachkommen kann. Insbesondere ihr Gedächtnis scheint nachgelassen zu haben. Im Schreiben des Mutterhauses kann man nachlesen, daß man dort damit gerechnet hat. Man zieht Sr. Maria Irmentrudis ab und schickt keine Nachfolgerin mehr. Endgültig geht sie am 5. November und wird Anbetungsschwester. Nun sind nur noch Sr. Rogata, Sr. Fortuna in Sandweier. Der Abzug der Krankenschwester aus Sandweier führt zu Ärger in Sandweier. Anonyme und andere Briefe gehen beim Pfarrer ein, die deutlich machen, wie wenig sich die Bevölkerung mit der inzwischen gewandelten Lage in der Kirche vertraut gemacht hat. Da heißt es z. B. wir wollen eine Ordensschwester und keine blose Krankenschwester- die soll für Mann und Kinder sorgen und hat nicht mehr so viel Zeit für die Kranken und Sterbenden. Überhaupt, so hieß es, sei an der ganzen Misere ja nur der Pfarrer schuld, der sich nicht genügend eingesetzt hätte. Wenn der nur wollte, dann würde Gengenbach nur so Schwestern schicken.

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