400 Jahre Jagdhaus 1602 – 2002

Der Landsee und der Schafhof

Da unser Jagdhaus in ursächlichem Zusammenhang mit dem Landsee und dem Schafhof steht, nun noch einige interessante Bemerkungen dazu. Der Landsee, oder besser gesagt der „Landteich“, war ein mehr oder weniger seichtes Gewässer, das sich von Sinzheim bis Rauental hinzog. Bei starken Regenfällen oder bei Hochwasser war er umfangreicher, sonst aber oft ein morastiges, aus einzelnen Weihern bestehendes Gebiet. Weil er sein Aussehen häufig wechselte, musste er immer wieder ausgebessert und vor allem seine Ufer gefestigt werden. Bei Hochwasser war für besseren Abfluss zu sorgen. Dies bedeutete für die Anliegergemeinden und damit auch für Sandweier Frondienste und erhebliche Kosten. So begann man eigentlich schon früh, seine Trockenlegung in Angriff zu nehmen. Der erstmals Ende des 15. Jahrhunderts genannte „Landgraben“ war eine der ersten Maßnahmen. Ein in Sandweier wohnender „Seeknecht“ war für die Überwachung der Schutzmaßnahmen verantwortlich. Sehr oft kam es zwischen den Anliegern wegen der Verteilung der entstandenen Kasten zu recht heftigen Streitigkeiten. Unter Markgraf Wilhelm und seinem Nachfolger Markgraf Ludwig Wilhelm wurde die Trockenlegung vorangetrieben. Ein neuer Landgraben entstand, die Oos, die mit ihren Wassern den Landsee speiste, wurde höher gelegt, was dem Sandweierer Müller gar nicht gefiel, da sie nun noch weniger Gefälle hatte, und das war ein Nachteil für seine Mühle. Mit der fortschreitenden Urbarmachung des Seebereiches durch weitere Entwässerungsgräben verlor natürlich die beliebte „Entenjagd“ ihren Reiz, das Jagdhaus konnte nun anderweitig genutzt werden. Da es auf der „Hofraithe“ des Schafhofes steht, lag es nahe, es als Verwaltungsgebäude für die markgräflichen Besitzungen zu verwenden. Das Bewohnen des Hauses dürfte allerdings nach der oben erwähnten Niederbrennung Sandweiers im Jahre 1689 erst nach dem Ersetzen des Dachstuhles möglich gewesen sein. Im Jahre 1771 wurden die beiden badischen Markgrafschaften wieder vereinigt, da die Baden-Badener Linie ohne Erben ausstarb. Damit übernahm der baden-durlachische Markgraf Karl Friedrich auch die herrschaftlichen Besitzungen in Sandweier. Der Schafhof war zu jener Zeit verpachtet. Die Pachtzeit betrug meist 12 Jahre. 1794 sollte sie neu versteigert werden. Erzielte man bei einer früheren Versteigerung noch einen jährlichen Pachtpreis von 600 fl, 25 Malter Korn und 12 Malter Welschkorn, so konnten bei dieser Versteigerung vom vormaligen Pächter Krafft aus Rastatt nur 200 fl, 25 Malter Korn und 10 Malter Welschkorn angeboten werden. Schon am 26. Juli dieses Jahres hatte die Gemeinde Sandweier ein Gesuch wegen „Überlassung des hiesigen Schafhofes und des dazugehörigen Gutes“ an den Markgrafen gerichtet, das allerdings abschlägig beschieden wurde. Die immer wieder aufflammenden Streitigkeiten mit den Nachbargemeinden wegen der Beweidung ihrer Felder durch die Schafherden waren mit ein Grund für dieses Begehren. Im Jahre 1802 konnte endlich eine amtliche Regelung dieser Probleme erreicht werden. Ein Inhaltsverzeichnis unseres Gemeindearchivs aus dem Jahre 1969 vermerkt einen Aktenband des Jahres 1812 mit Urkunden über „den Ankauf der herrschaftlichen Schäferei und den Verhandlungen über die Gemarkungsstreitigkeiten mit Iffezheim“. Daraus lässt sich schließen, dass die Gemeinde das Schafhofgut mit dem Jagdhaus im Jahre 1812 aufgekauft hat. Ein Jahr später wurde nachweislich die Zehntscheuer und dann 1823 auch das herrschaftliche Schickenhofgut von der Gemeinde erworben. Natürlich hat die Gemeinde diese Güter nicht für sich behalten, sondern an ihre Bürger weitergegeben.

Erwerb des Jagdhauses durch die Familie Kratzer

Etwa um das Jahr 1820 erwarb der in der Nachbarschaft wohnende Caspar Kratzer den Schafhof von der Gemeinde. Sicher erhielt er nicht das ganze Gut – das hätte er vermutlich auch nicht bezahlen können – sondern nur die große „Hofraithe“. Ein genaues Datum der Abgabe des Schafhofes mit dem Jagdhaus konnte leider nicht ermittelt werden. Fest steht aber, dass Caspar Kratzer diesen seinen von der Gemeinde erworbenen Besitz an

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Familie Fidel Kratzer:(von links nach rechts) Stehend: Rosa, Antonia, Pius, Franz, Adolf, Brigitte, Anna, Sitzend: Walburga, Fidel, Maria-Magdalena, Vorn: Luise

seine beiden Kinder Salome (geb. 1796) und Athanas (geb. 1805) vererbt hat. Letzterer hat am 27. Dezember 1828 mit seiner Ehefrau Franziska geb. Dietrich einen Ehevertrag hinsichtlich seines Besitzes am Schafhof abgeschlossen, der im Grundbuchamt Baden-Baden vermerkt ist. Seine Schwester Salome war mit Leodegar Peter verheiratet. Da sowohl die Familie der Salome als auch die des Athanas im Jagdhaus wohnten, dürfte schon um diese Zeit, also um 1828/1830 der heute noch vorhandene Fachwerkanbau entstanden sein, um genügend Wohnraum zu schaffen, d.h. für jede Familie Küche, Wohnstube und Schlafraum. Dieser Anbau, der auch noch einen Schuppen beherbergt, ist zwar zeit- und familiengeschichtlich interessant, hat aber das Aussehen des Gebäudes sehr verändert. So wurde auch auf der Ostseite des Jagdhauses ein zweiter Eingang für die Wohnung geschaffen. Von beiden Wohnungen führten einfache Treppen in den unausgebauten Speicherraum. Hier mussten zum Teil die Kinder schlafen. Auf der Rückseite des Hauses befand sich ein Backofen, der von beiden Familien benützt werden konnte. Salome und Leodegar Peter übergaben ihren Anteil am Haus ihrem Sohn, dem Schuhmacher Georg Peter, und dieser dann seiner Tochter Juliane, die Christian Blank geheiratet hatte. Die Ehefrau des Athanas, 1861 verwitwet, vermachte ihren Besitz ihrem Sohn Fidel Kratzer.
Christian Blank verkaufte diesem für 600 Mark seinen ererbten bzw. erheirateten Hausanteil und baute sich 1898 auf dem ehemaligen Schafhofgelände in nächster Nachbarschaft einen eigenen Hof auf. Im Jahre 1897 war das alte Ökonomiegebäude mit dem großen Schafstall abgebrannt. Fidel Kratzer errichtete ein Jahr später wesentlich näher am Jagdhaus den heute noch stehenden Ökonomietrakt. Ansonsten entstanden auf der „Hofraithe des Schafhofes“ noch weitere Anwesen, die große Fläche bot sich geradezu dafür an. Im Jahre 1914 übernahm Plus Kratzer das Erbe von seinem Vater Fidel. Er baute nach dem ersten Weltkrieg das Obergeschoss des Jagdhauses aus zu zwei kleineren weiteren Wohnungen. So beherbergte das Gebäude zeitweise bis zu vier Familien bzw. Wohnungsinhaber. Die Erhaltung der Bausubstanz bei Ökonomie wie auch beim Jagdhaus war recht schwierig, so dass im Laufe der Jahre bei beiden sich beachtliche Schäden zeigten. Sie verlangten vom Besitzer einen verhältnismäßig großen finanziellen Aufwand, um die inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu sanieren und zu erhalten. Das veranlasste schließlich die letzte Besitzerin Pia Kratzer, eine Tochter des Pius Kratzer, das Anwesen der Stadt Baden-Baden zu übereignen.

Erwerb des Areals durch die Stadt, Erhalt und Nutzung der Gebäude

Schon recht früh hatte sich die Gemeinde bzw. der Stadtteil unter der Führung von Bürgermeister a.D. und Ortsvorsteher Rudolf Hofmann, unterstützt vom Ortschaftsrat, darum bemüht, das Jagdhaus mit dem dazugehörigen Ökonomiegebäude und dem immer noch recht großen Hofgelände zu erwerben. Vor allem ging es darum, den zunehmenden Verfall des wertvollen Jagdhauses zu verhindern, unersetzliches Kulturgut zu sichern und zu erhalten. Die nötigen Verhandlungen erwiesen sich als nicht einfach. Es ist auch verständlich, dass sich Frau Pia Kratzer sehr schwer von ihrem Eigentum trennen konnte, das über 170 Jahre eine Heimstatt der Kratzer-Familie gewesen war. Andererseits musste sich auch die Gemeinde darüber im Klaren sein, dass sie sich mit der vorgesehenen Übereignung einiges an Pflichten und Lasten auflud.

Doch letztendlich konnte man sich einigen, und am 5. April 1989 fasste der Gemeinderat den Beschluss, den Kauf unter den ausgehandelten Bedingungen zu tätigen. Zwei Monate später am 9. Juni 1989 wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Es sollte aber noch fast ein Jahr dauern, bis die Gemeinde den erworbenen Besitz übernehmen konnte. Erst am 30. April 1990 fand die endgültige Übergabe statt. Zwischenzeitlich überlegte man natürlich, wie das Jagdhaus mit Ökonomiegebäude. künftig genutzt werden sollte. Verschiedene Vorschläge standen zur Diskussion. Begegnungsstätte für Jung und Alt, sogar neuer Sitz der Ortsverwaltung waren im Gespräch. Hier schaltete sich dann der 1987 gegründete Heimatverein Sandweier e.V. ein. Dieser war auf Vorschlag des Ortschaftsrates und der Vorsitzenden der hiesigen Vereine im Zusammenhang mit der Herausgabe des Heimatbuches von Sandweier entstanden und hatte sich in seiner Satzung die Aufgabe gestellt, altes Kulturgut zu schützen und zu bewahren. Sein Vorschlag: Im Jagdhaus und im Ökonomiegebäude soll ein Heimatmuseum eingerichtet werden. Das im staubigen Keller der Schulturnhalle untergebrachte Gemeindearchiv soll hier eine neue, würdige Heimstatt finden, aber auch die Möglichkeit, als Begegnungsstätte zu dienen, sollte berücksichtigt werden. Dieser Vorschlag, der zugleich mit der Bekundung verbunden war, die damit verknüpfte Aufgabe der Renovation, Einrichtung und Betreuung zu übernehmen, fand beim Ortschaftsrat und bei der Stadtverwaltung volle Zustimmung.

Beginn der Renovation, Nutzungsvertrag mit der Stadt

Schon bald nach der Übergabe des Jagdhauses konnte mit der äußeren und inneren Renovation begonnen werden. Eingehende Gespräche mit dem städtischen Hochbauamt waren immer wieder notwendig und fanden zwischen ihm und dem Vorstand des Heimatvereins in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen statt. Auch das Landesdenkmalamt musste eingeschaltet werden. Zuerst sollte die Fassade des Jagdhauses hergerichtet werden. Dabei war es erforderlich, am ganzen Jagdhaus den Außenputz zu entfernen, eine aufwendige Arbeit, die von Mitgliedern des Heimatvereins geleistet wurde.

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Aktive bei der Arbeit: Erwin Hatz, Karls Bruckner, Friedrich Gantner, Siegbert Schindler, Wendelin Klumpp, Reinhold Mayer

Parallel dazu lief die Einrichtung einer modernen für ein Museum geeigneten mit Gas betriebenen Warmluftheizung, die die Innentemperatur auf einer gleichmäßigen Höhe garantierte. Diese Aufgabe übernahm die Stadt als neue Besitzerin des Hauses. Da ja von vornherein die Absicht bestand, ein Heimatmuseum einzurichten, mussten auch im Inneren des Hauses Änderungen vorgenommen werden.

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Siegbert Schindler und Albert Eichelberger bei der Innenmalerei

Neben der Zustimmung der Stadt war ebenso die des Landesdenkmalamtes erforderlich. Der zweite Eingang in das Jagdhaus von der Ostseite her musste geschlossen werden, von der Diele aus sollte wieder ein Zugang zu den auf dieser Seite liegenden Räumen geschaffen werden. Im Obergeschoss wurde durch das Entfernen von dünnen Wänden mehr Platz für das Aufstellen von Exponaten geschaffen. Unermüdlich waren die Vorstandsmitglieder und Helfer des Heimatvereins im Einsatz, um zumindest das Jagdhaus so rasch wie möglich soweit in Ordnung zu bringen, dass mit der Einrichtung eines Museums begonnen werden konnte. Um den Vorstand des Heimatvereins von den vielen immer neu auftauchenden und schnelle Entscheidungen verlangenden Problemen zu entlasten, wurde im Mai 1992 ein Ausschuss „Heimatmuseum“ gebildet, der sich dann auch mit der endgültigen Konzeption des Museums befassen und die entsprechenden Verhandlungen mit dem Landesdenkmalamt und der Landesstelle für Museumsbetreuung in Tübingen bzw. Stuttgart führen sollte. Hinsichtlich der vorgesehenen Ausstellung von Exponaten aus dem sakralen Bereich musste mit kirchlichen Behörden (Kath. Pfarramt und Erzbischöfliches Bauamt) gesprochen werden. Vorsitzender dieser „Museumskommission“ war Karl Bruckner, weiteres wichtiges Mitglied Wendelin Klumpp, dessen fachliches Wissen bei den zeitraubenden Reparatur- und Renovationsarbeiten äußerst gefragt war. Aber ohne die Arbeits- und Einsatzfreude der übrigen Helfer wären diese umfangreichen und oft fast unmöglich erscheinenden Aufgaben nicht zu bewältigen gewesen.

Im Oktober 1993 schloss der Heimatverein, vertreten durch seinen l. Vorsitzenden Friedrich Gantner und seinen 2. Vorsitzenden Siegbert Schindler, mit der Stadt Baden-Baden, vertreten durch Herrn Ersten Bürgermeister Zwosta, einen Benutzungsvertrag ab. Dieser stellte die bislang nur auf mündliche Absprachen hin erfolgten Tätigkeiten des Heimatvereins auf eine rechtlich fundierte Grundlage. Initiiert wurde der Abschluss des Vertrages durch die Museumskommission.
Die wichtigsten Punkte dieses Vertrages sollen hier erwähnt werden:

§ 1): Die Stadt überlässt dem Heimatverein das Anwesen Römerstraße 24 (Flst.Nr.23 und 23/1 sowie Anteil von 1/3 Miteigentum am Zufahrtsweg Flst.Nr.26), hierzu gehören das Grundstück einschließlich aller hierauf befindlichen Baulichkeiten mit Ausnahme der beiden im Südosten des Erdgeschosses des Hauptgebäudes gelegenen Räume (Nutzung durch das Stadtarchiv Baden-Baden) zur Einrichtung und zum Betrieb des Heimatmuseums Sandweier.

§ 2): Zur Einrichtung und zum Betrieb des Heimatmuseums Sandweier gehören folgende Zwecke: Sammlung und Präsentation von heimatgeschichtlichen und musealen Objekten und der Errichtung eines historischen Umfeldes. Hierzu gehören weiter fachbezogene Maßnahmen wie Inventarisierung und Restaurierung von Sammlungsgegenständen, Erläuterung und didaktische Aufbereitung des Ausstellungsgutes, Durchführung von Ausstellungen, Öffenlichkeitsarbeit, Fortbildung der Vereinsmitglieder und die Pflege des örtlichen Brauchtums. Der Verein ist berechtigt, im überlassenen Anwesen auf den Museumszweck bezogene Veranstaltungen und Nutzungen, einschließlich kunsthandwerklicher Demonstrationen durchzuführen oder zu diesem Zweck das Anwesen Dritten, das sind besonders die örtlichen Bildungswerke, zu überlassen.

§ 3): Die Überlassung erfolgt im Hinblick auf die Zweckbestimmung nach § 1 und § 2 kostenfrei.

§ 8): Die Bauunterhaltung des Anwesens obliegt der Stadt. Der Heimatverein unterrichtet die Stadt, wenn er bauliche Mängel feststellt.

Schon vor der Unterzeichnung des Vertrages hatten sich die Vertreter der Stadt das teilweise eingerichtete Museum angesehen und sich sehr lobend geäußert. Bürgermeister Zwosta war begeistert von dem bisher Geleisteten

Einrichtung des Museums im Jagdhaus

Nachdem die Museumskommission nach Absprache mit Denkmalsamt und Landesstelle für Museumsbetreuung einen Konzeption für das Museum erarbeitet hatte und vor allem die notwendigen Renovationen, die Gipser-Maler- und Elektrikerarbeiten abgeschlossen waren, konnte mit der Einrichtung der einzelnen Räume im Jagdhaus begonnen werden. Beide oben genannten Behörden hatten darauf hingewiesen, dass die ursprüngliche herrschaftliche Verwendung des Jagdhauses dabei in entsprechender Weise zu berücksichtigen sei, ein Vorbehalt, der nicht einfach zu bewältigen war. Daher wurden die zwei Räume des Erdgeschosses auf der Westseite des Hauses der Jagd gewidmet.

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Jagd im Hardtwald und am Landsee

Alle hier ausgestellten Exponate stehen unter diesem Aspekt. Viele Exponate davon wurden von Walfried und Daniel Eichelberger, als ehemalige Jagdpächter gestiftet.

Gegenüber dem Haupteingang liegt ein kleiner Wirtschaftsraum.

Im östlichen Teil des Erdgeschosses befindet sich die „Stubb“, die als Stätte der Begegnung dient.

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Auch wenn beim Cego, dem alten badischen Kartenspiel früher nur Pfennig, heute nur Cent gespielt wird, geht es Woche für Woche beim Cego-Abend in der „Stubb“ heiß her

Sie gibt die Möglichkeit, Sitzungen und Versammlungen abzuhalten und bietet Platz für gemütliches Zusammensein bei der Pflege alten Brauchtums. Außerdem konnte auf dieser Seite sowohl die Verwaltung des Museums als auch das Gemeindearchiv von Sandweier untergebracht werden Unser Heimatdorf ist seit mindestens 500 Jahren bekannter Wallfahrtsort, so dass es sinnvoll erschien, in unserem Heimatmuseum auch die religiöse Seite der heimatlichen Vergangenheit zu dokumentieren. Zahlreiche zum Teil recht wertvolle Exponate, die lange Jahre unbeachtet auf dem Kirchenspeicher lagerten, können nun auf diese Weise der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Dass natürlich die Frühgeschichte und die geschichtliche Vergangenheit unseres Dorfes wie auch die Lebensweise unserer Vorfahren einen gebührenden Platz finden sollten, war selbstverständlich. Diesen Bereichen sind die übrigen Räume des Obergeschosses gewidmet. Vieler gedanklicher aber auch finanzieller Anstrengungen bedurfte es, um dies alles zu verwirklichen. Aber ohne den unermüdlichen Einsatz, die spezielle Findigkeit der Vorstandsmitglieder und auch die finanzielle Unterstützung wohlwollender Sponsoren wäre die nun allgemein bewunderte Museumsgestaltung nicht gelungen. So konnte der Leiter der Landesstelle für Museumsbetreuung, Herr Dr. Neuffer aus Stuttgart, bei einer Besichtigung des Museums wenige Tage vor der offiziellen feierlichen Eröffnung dem Vorsitzenden der Museumskommission Karl Bruckner ein uneingeschränktes Lob spenden mit den Worten: „Es wurde hier mit Liebe und Engagement ein Museum erstellt, das volle Anerkennung verdient.“ In dieser Festschrift die einzelnen Exponate aufzuzählen würde zweifellos zu weit führen. Ein im Museum aufliegender kleiner Museumsführer gibt darüber genauere Auskunft. In übrigen werden in den Räumen des Obergeschosses auch spezielle Ausstellungen heimischer Hobbykünstler wie Modellbauer, Kunstmaler usw. gezeigt, die unser Museum immer wieder für einen Besuch interessant machen. Auch die allwöchentlich stattfindenden „Cego-Abende“ tragen dazu bei, dem Museum Leben zu geben.

Einrichtung des Museum im Ökonomiegebäude

Von Anfang an war geplant, in der zum Jagdhaus gehörenden Ökonomie landwirtschaftliche und handwerkliche, auf die bäuerliche Geschichte unseres Dorfes sich beziehende Exponate auszustellen. Hier hat sich besonders unser Vorstandsmitglied Wendelin Klumpp als kundiger Spezialist erwiesen. Seiner Initiative und seinem handwerklichen Können ist auch der Nachbau einer für Sandweier typischen Brennerei für den allseits bekannten Topinambur-Schnaps, den „Erdäpfler“, zu verdanken. Die früher in unserer landwirtschaftlich geprägten Dorfgemeinschaft nötigen Gerätschaften sind hier ebenso zu besichtigen wie die Werkzeuge der für ein Bauerndorf notwendigen Handwerker, vom Schmied, vom Sattler, vom Wagner und vom Schuster. Also eine Fülle von interessanten Ausstellungsstücken kann man in diesem Fachwerkbau bewundern. Eine Einzelaufzählung der verschiedenen Exponate aus diesen Bereichen kann natürlich auch hier nicht erfolgen. Vielleicht lohnt sich einmal ein Blick in die noch vorhandenen primitiven Abortanlagen, um einen Eindruck von den vor 80 – 100 Jahren herrschenden hygienischen Verhältnissen zu erhalten. Allerdings muss festgestellt werden, dass insbesondere das Ökonomiegebäude starke Beschädigungen und Verfallserscheinungen aufweist, so dass immer wieder Reparaturarbeiten anfallen. Das sind Aufgaben, die gemäß Benutzungsvertrag eigentlich die Stadt erledigen muss, und dies auch, soweit es ihr finanziell möglich ist, tut. Aber sehr oft muss hier der Heimatverein einspringen. Im Übrigen hat die Stadt dank der Initiative des Heimatvereines am Südteil des Ökonomiegebäudes hygienisch einwandfreie Toiletten eingerichtet. Neben Stall, Scheune und Tenne wurden vom Verein zwei weitere Räume hergerichtet, die nun ebenfalls benützt werden können.

Offizielle Eröffnung des Heimatmuseums

Erstmals am 27. September 1992 lud der Heimatverein die Bevölkerung unseres Dorfes zu einem gemütlichen „Hock“ beim zu jener Zeit noch tief im Anfangsstadium sich befindlichen Heimatmuseum ein. Damit sollte ihr Gelegenheit gegeben werden, sich über die geleisteten und noch anstehenden Arbeiten in Kenntnis zu setzen. Dieses Angebot wurde auch in den folgenden Jahren fortgesetzt. Alljährlich am letzten Sonntag im September trafen sich unsere Dorfgemeinschaft und auch interessierte Leute aus der Nachbarschaft beim Jagdhaus und informierten sich über den Fortgang der Arbeit am Museum.
Am 20. Mai 1995 war es endlich so weit. In einer festlichen Feierstunde konnte der damalige Oberbürgermeister der Stadt Baden-Baden, Ulrich Wendt, das Heimatmuseum im Jagdhaus und im Ökonomiegebäude der Öffentlichkeit übergeben. Der 1. Vorsitzende des Heimatvereins Sandweier e.V. Friedrich Gantner begrüßte zahlreiche Ehrengäste. Eingeladen waren vor allem die Helfer und Helferinnen und die vielen Sponsoren, ohne deren Beistand die Gestaltung des Museums nicht möglich gewesen wäre. Ihnen sprach Friedrich Gantner einen ganz besonderen Dank aus. Karl Bruckner als Vorsitzender der Museumskommission erläuterte in seiner Festansprache das Werden und Schicksal des Jagdhauses bis in  die Gegenwart, wie es in dieser Festschrift nun nachgezeichnet wird. Oberbürgermeister Ulrich Wendt forderte allgemein dazu auf, das nun entstandene Museum, das nicht nur für Sandweier sondern für die ganze Stadt zu einem wertvollen Schmuckstück geworden sei, pfleglich anzunehmen und zu hüten. Er würdigte ganz besonders die großartige Leistung und versprach weitere Hilfe und Unterstützung durch die Stadt. Abgerundet wurde die Feierstunde durch Beiträge des Saxophonquartetts des Musikvereins Sandweier und der Baden-Badener Trachtengruppe. Besonderen Beifall fand auch das von Wendelin Klumpp in seiner humorvollen Art vorgetragene, von Friedrich Singer verfasste Gedicht über das Sandweierer Spezialgetränk, den „Erdäpfler.“

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Nach Musik und Festansprachen stießen OB Ulrich Wendt und die „Museumsmacher“ Wendelin Klumpp und Karl Bruckner mit dem heimischen Topinambur auf das Wohl des Heimatmuseums an.

Auch in den folgenden Jahren war der herbstliche Hock am Museum eine äußerst beliebte Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein und zur Erkundung des sich langsam erweiternden Museums. Die dabei vom Heimatverein erwirtschafteten Mittel dienen ausschließlich den satzungsgemäßen Aufgaben und Zwecken des Vereins, nämlich der Erhaltung und dem weiteren Aufbau des Museums, der Beschaffung und eventuellen Restauration neuer Exponate und der Pflege des örtlichen Brauchtums.

Rückblick und Ausblick

Unser nun 400 Jahre altes Jagdhaus hat, wie wir feststellen konnten, eine wechselvolle und inhaltsreiche Vergangenheit. Dies ist mit den vorstehenden Schilderungen doch sicherlich deutlich geworden. Sein Schicksal ist mit der Geschichte Sandweiers eng verbunden. Vieles konnte im Rahmen dieser Festschrift nur angedeutet werden, manches fiel der notwendigen Beschränkung zum Opfer. Doch eines ist unbedingt zum Abschluss festzuhalten. Die Gemeinde, die Einwohnerschaft und der Heimatverein haben Dank abzustatten all denjenigen, die zur Erhaltung des Jagdhauses in irgendeiner Weise beigetragen haben. Dies gilt für die Stadtverwaltung, die Ortsverwaltung, die vielen engagierten Initiatoren und Helfer, die einzeln aufzuführen hier nicht möglich ist. Aber niemand ist vergessen, ob Helfer oder Spender von Exponaten oder finanziellen Mitteln. Was hier entstand, ist ein Werk, das Zeugnis gibt von Gemeinschaftssinn, heimatlicher Verbundenheit und zum Teil auch wirklicher Bereitschaft, Engagement für eine besondere Aufgabe zu zeigen. Nur so konnte dieses Sandweierer „Schmuckstück“, um das wir oft beneidet werden, entstehen bzw. erhalten bleiben. Das zeigt uns auch an, welche Aufgabe uns speziell in dieser Hinsicht für die Zukunft gestellt ist. Ein Heimatmuseum in unserem Jagdhaus muss leben. Es kann nicht genügen, nur mit Stolz auf das Geleistete zurückzublicken, sondern wir alle müssen die Verpflichtung spüren, uns in der jeweils gegebenen Weise mehr oder weniger aktiv, aber immer positiv dazu beizutragen, dass so Geschaffenes auch erhalten bleibt. Dazu aufzurufen ist der Sinn dieser Geburtstagsfeier und der aus diesem Anlass verfassten Festschrift. Möge sie diesen ihren Zweck erfüllen.

Das alte Jagdhaus

Ich grüße Euch, Ihr lieben Gäste,
denn ich hab heut Geburtstagsfeste.
Man sieht es mir- fast gar nicht an,
dass – vor- 400 Jahren mein Werden begann.

Als Jagdhaus – .für den Markgrafen erstellt –
Hab ich einen schönen Platz in dieser Welt.
Zujagen gab es viel Getier
im Felde, – See – und Walde hier:
So manche Jagdgesellschaft war zur Feier
in meinen Stuben – in Sandweier:

Gar vieles Leid hab ich gesehen,
die Schweden im 30jähr-igen Krieg sind hier gewesen.
Doch auch andere Feinde überm Rhein –
fielen brandschatzend – 1689 – in meine Heimat ein.

Ich jedoch überlebte den vielen Hader;
stand immerfest- in .jedem Quader
Auch Schafhof wurde ich genannt,
so manche Herde beweidete mein Land.

Besuchst auch Du mich hier- einmal,
so tritt herein – durchs fürstliche Portal.
Bin nun Museum und zeig Euch heut –
Wie früher lebten – die lieben Leut‘.

Ein schönes Alter ist mir widerfahren.
Ich hüte die Geschichte von vielen Jahren.
Doch auch beim „Cego-Spiel“ in dieser Zeit
Sorg‘ ich stets für- Gemütlichkeit.

So möchte es dann doch geschehn,
dass ich hier kann –
noch viele 100 Jahre stehn.

© Wendelin Klumpp                  Frühjahr 2002

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