Mai
16
2010
Gedicht:
De Erdepfler
von Friedrich Singer
Wenn se in Sondwier diwwe
morjets krawwle us-em Bett,
frogt der ain de onnre Nochber:
„Sa’mol: hesch schu ainer ghet?“
Ja, mer schwätzt in Bade drinne
un mer spott‘ als a‘ in Oos:
Wei‘ se so guet schnäpsle kinne,
sin se uf der Hardt so groß!
Gsund und stark – und Müler hen-se
aß nit mit-ne ferti wirsch,
un des kummt, ihr därfe’s glaawe,
vum Sondwingemer Edelkirsch!
Doch die Kirschbaim, die konsch sueche!
„Unser Schnaps kummt us der Erd!“
sait mer in Sondwier diwwe,
„gell, Erdepfler isch ebs wert!“
Bruche mir uf d’Kirschbaim stiige?
Topinambur git’s grad gnue,
jeder Acker bringt en Huffe,
un vil Müh ghärt nit derzue
’s Kirschewasser – vun de Stainer –
het Blausäure, des isch Gift!
Isch ’s e Wunder, wenn do monchen,
wu vil sufft, e Schlägel trifft?
Nai, Erdepfler isch vil gsünder,
isch der allerbeschte Schnaps,
un im Summer wie im Winter
trinkt mer-ne, ’s kriegt kains en Klaps.
Drum, wenn uf der Hardt si morjets
nüchter krawwle us-em Bett,
rieft ai Nochber glich im onnere:
„Sa‘ mol: hesch schu ainer ghet?“
(Anm.: Der Autor Friedrich Singer hat lange Jahre in Oosscheuern gelebt. Er hat das Gedicht nicht in reinem Sandweier Dialekt geschrieben.)
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Dez.
30
2008
Zur Geschichte der Hebammen in Sandweier
von Dr. Kurt Hochstuhl
Der Beruf der Hebammen ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon immer halfen Frauen anderen Frauen bei der Entbindung und kümmerten sich um die Erstversorgung der Neugeborenen. Das erste bekannte Hebammenlehrbuch stammt aus Griechenland und wurde um 117 n. Chr. von einem gewissen Soranos in Ephesos verfasst. Wie alle heilkundigen Frauen gerieten auch die Hebammen immer wieder in den Verdacht, mit übernatürlichen Mächten zu paktieren, ja sogar die Hilfe des Teufels in Anspruch zu nehmen. Sie riskierten mehr als andere Personen, Opfer der Hexenverfolgung zu werden.
Schon früh erließ die fürstliche Verwaltung so genannte Hebammenordnungen, die die Tätigkeit, Pflichten und Aufgaben der Hebammen regelten. Aus Konstanz sind aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, aus Freiburg aus dem Jahre 1510 solche Hebammenordnungen bekannt. Schon im 17. Jahrhundert war mindestens eine Hebamme pro Gemeinde vorgeschrieben. Ihre Tätigkeit galt als „ein christlicher und löblicher Beruf durch welches Hülff alle Menschen an die Welt gebohren werden“, wie die baden-durlachische Landesordnung aus dem Jahre 1654 ausdrücklich betonte. Zu den christlichen Pflichten der Hebamme bei den gebärenden Frauen gehörte, dass sie „in wahrer Gottesforcht … den Allmächtigen um seine Gnade, Segen und Gedeyen zu der Geburt“ anrief. Jede Hebamme besaß das Recht zur Nottaufe, sollte es zu lebensgefährlichen Komplikationen bei der Geburt kommen.
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