Die Geschichte unseres Jagdhauses

Markgraf Ernst Friedrich war ein leidenschaftlicher Jäger. Besonders die Entenjagd am damals noch existierenden Landsee hatte es ihm angetan. So ließ er sich auf der hiesigen „Hofraithe“ des Schafhofes im Jahre 1602 das heute noch stehende „Jagdhaus“ erbauen. Es überlebte den 30jährigen Krieg und auch die Verwüstungen, die die Franzosen im Jahre 1689 im Zusammenhang mit dem pfälzischen Erbfolgekrieg in unserer Heimat anrichteten. Wie Rastatt und Baden-Baden ging auch Sandweier in Flammen auf. Das Jagdhaus, zu jener Zeit ein einstöckiger Steinbau, wurde sicher nicht verschont. Doch die Mauern mit dem die Jahreszahl 1602 tragenden spätgotisch-renaissancen Portal und auch teilweise die Fenstergewänder blieben erhalten. Der heutige barocke Dachstuhl, mit unheimlich viel Holzaufwand konstruiert, der viele Jahre später den Ausbau des oberen Stockwerkes ermöglichte, dürfte erste Mitte des 18. Jahrhunderts aufgesetzt worden sein. Schon im 17. Jahrhundert hatte man begonnen, den Landsee langsam aber stetig trocken zu legen. Damit war es auch mit der Entenjagd vorbei und so verlor das Gebäude seine Bestimmung als „Jagdhaus“. Es diente nun vermutlich als „Forstei“ und wird dann gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Schafhof in den vorhandenen Urkunden des Generallandesarchivs in Karlsruhe als „Meierei“ (= Gutsverwaltung) gekennzeichnet.

Jagdhaus-Lageplan1-300x239 in Die Geschichte unseres Jagdhauses

Das Grundstück des Jagdhauses

Ein im Generallandesarchiv einzusehender Lageplan der „Hofraithe“ des Schafhofes macht deren enorme Größe deutlich, denn sie maß immerhin rund 54 Ar. Der am westlichen Rande des Geländes liegende Schafstall mit Futtergang und Scheune hatte eine Länge von ca. 50 Metern und war etwa 15 Meter breit. An der südlichen Hofgrenze lag ein 15 Meter langer Schweinestall und daran angebaut der Abort für die Bewohner. Vorn im Hofe nicht weit von der „Dorfgaß“, der heutigen Römerstraße, entfernt stand ein recht ansehlicher Ziehbrunnen. Der Lageplan, der vorstehender Schilderung der Hofanlage zugrunde liegt, wurde im Jahre 1803 mit genauen Maßangaben gezeichnet.

Im Jahre 1771 wurden die beiden Markgrafschaften unter dem baden-durlachischen Markgrafen Karl Friedrich wieder vereinigt. Karl Friedrich wurde 1803 Kurfürst und 1806 Großherzog, dies im Zusammenhang mit der Herrschaft Napoleons über fast ganz Europa. Die zahlreichen Feldzüge, unter denen auch unsere Heimatgemeinde sehr stark zu leiden hatte, waren natürlich für alle Beteiligten äußerst kostspielig. So begann der Großherzog, sich allmählich von seinen Gütern zu trennen, da sie ihm oft mehr Kosten verursachten als Gewinn einbrachten. Die Pacht für den Schafhof sollte beispielsweise im Jahre 1794 neu versteigert werden. Pachtdauer war in der Regel 12 Jahre. Erzielte man bei einer früheren Versteigerung noch einen jährlichen Pachtpreis von 600 fl, 25 Malter Korn und 12 Malter Welschkorn, so konnten bei dieser Versteigerung vom vormaligen Pächter Krafft aus Rastatt nur 200 fl, 25 Malter Korn und 10 Malter Welchkorn angeboten werden. Schon am 26. Juli dieses Jahres hatte die Gemeinde Sandweier ein Gesuch wegen „Überlassung des hiesigen Schafhofes und des dazugehörigen Gutes“ an den Markgrafen gerichtet, das allerdings damals abschlägig beschieden wurde. Mit ein Grund für dieses Begehren der Sandweierer waren sicher auch die immer wieder aufflammenden

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