Erinnerungen an christliche Bräuche – Prozessionen

Bittprozession nach Rastatt zur Einsiedel Kapelle

Am 14. August 1780 fand eine gelobte Prozession nach Rastatt die dortige Einsiedler-Kapelle statt, um dringend notwendigen Regen zu erbitten… und die Gebete wurden erhört! !

Fest Maria Himmelfahrt
Einige hundert Kräuterbüschel – Griedebusch – wurden an diesem Festtag zur Weihe in die Kirche getragen und Schutz und Segen erfleht für Familie, Haus und Hof.

Ich versuche die verschiedensten Kräuter und Blumen aufzuzählen, die zum Kräuterbüschel verwendet wurden:

  • Sonnenblumen                              Sunneblume
  • Stangenrosen                                 Schtongerose
  • Margeriten                                      Magredle
  • Gretchen im Busch                      Grädl hinger dar Heck
  • Eisenkraut                                       Jisegrutt
  • Rittersporn                                     Ridderschbeer
  • Blutknöpfe                                       Blu-etgnepf
  • Rotschwänze                                  Roodschwänz
  • Teufelsabbiß
  • (Succisa pratensis)                      Deiflsaabiß
  • Wermuth                                         Wermets
  • Schafgarbe                                      Schoofgarb
  • Kamille                                             Kamille
  • Tausendgüldenkraut                  Dausetguldegrutt
  • Goldrute                                          Fuchsschwänz/Fuchsweddl

Im Dialekt so genannt: Auch Schdrähl, Kämm un Hämderk gehörten dazu.

Allerheiligen – Allerseelen

An beiden Tagen war Prozession zum Friedhof, wie damals üblich Priester und Ministranten im schwarzen Trauerornat.

Auf dem Friedhof wurde auf 4 Stationen kurze Andachten gehalten.

Beinhäusel, ein sonderbares Wort, aber das Beinhäusel hat es auch unserer Gemeinde gegeben.

Auf dem heutigen Kirchplatz stand bis 1837/38 die alte Kirche mit dem angebauten Beinhäusel. Erstellt war die Kirche am südlichen Teil des Platzes und zwar in Ost- West-Richtung.

Zu jener Zeit war die Sterblichkeitsziffer viel höher als heute,davon etwa die Hälfte Kinder. Der Kirchhof war zu klein und die Gräber mußten öfter belegt werden, wie es heute der Fall ist. Etwa noch feststellbare Gebeine wurden deshalb in das Beinhäusel gebracht. Jeden Samstagabend war vor oder in dem Beinhäusel eine Andacht bei der ein Laie vorbetete. Eine Öllampe brannte zu Ehren der Toten. Die damaligen Gemeinderechnungen weisen alljährlich einen 1 Kostenbetrag für diesen Zweck auf.

So auch anno 1793, da steht geschrieben:

… für Wachs in das Beinhäußel, wo auf die Samstage abends gebrennt wird, wurde dem Anton Schäfer, welcher jedesmal den Rosenkranz bettet, bezahlt 3.20 Gulden

… für Öl in das Beinhäußel (Öllicht) 2.36 Gulden.

 Öffentliche Bekanntmachungen der Gemeinde

An Sonntagen nach dem Hauptgottesdienst (nochm Omt) fanden am Rathaus die öffentlichen Bekanntmachungen durch den Ortsdiener statt.

Nach Beendigung des Gottesdienstes strömten die Kirchenbesucher (d’Kirchelitt) zum Rathaus, um aus dem Munde des Ortsdieners das Neueste zu erfahren. Als sich das Fenster öffnete, hörten alle gespannt zu, denn daheim wollte man doch wissen, was es Neues gab. Kein Motorradfahrer oder Auto störte damals die lauschenden Zuhörer.

Der Ortsdiener, zu meiner Zeit Thomas Ullrich, beendete seine Ausführungen jeweils mit den Worten: >So des wärs<. Anschließend fanden sich die jungen Leute und die Männer zum kurzen Frühschoppen in der >Peterskirche< = Gasthaus >Zum Grünen Baum<, Inh. Otto Peter, oder in der Lindenkirche ein (so benannt nach der Wallfahrtskirche zu Ottersweier). Dort wurde dann diskutiert über die Predigt und Bekanntmachungen.

So war es bis in die 30er Jahre. Ein wöchentlich erscheinende Mitteilungsblatt der Gemeinde hat die traditionelle Bekanntgabe vor dem Rathaus abgelöst. Unvorhergesehene wichtige Mitteilungen, die dringend veröffentlicht werden mußten, wurden ehemals auch mit der Schelle durch den Ortsdiener bekanntgemacht. Auch die herkömmliche Art der Veröffentlichung wurde durch das Mitteilungsblatt verdrängt.

Guido Müller

(Quelle: Jahresrückblick Sandweier 1983)

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