Erinnerungen an christliche Bräuche – Prozessionen

Nach der Messe um 6.00 Uhr bewegte sich die Prozession durch die Katharina- und Römerstraße bis zum Kruzifix an der Ecke Römerstraße und dem Badweg (78 b), dann in westlicher Richtung bis zum Langenlohweg. Auch dort stand ein Kreuz und ist beim Bau der Autobahn verschwunden. Der Prozessionsweg ging wieder dem Dorfe zu. Ans >Bierluis Kriz< (heute im Garten von Raimund Müller) war die 3. Station und bei der Friedhofskapelle die 4. Station. Bekannt und beliebt war ein Lied, das schon im Gesangbuch von 1850 registriert ist: >Es baute Herr auf dein Geheiß des Landmanns Hand die Erde, voll froher Hoffnung, daß sein Fleiß von dir gesegnet werde. Umsonst ist aber alle Müh‘ im Pflanzen und Begießen, läßt du vom Himmel nicht auf sie des Segens Ströme fließen<.

Bittwoche. In dieser Woche waren zwei weitere Flurprozessionen, einmal Iffezheimer Weg und zurück über den Riederweg, das andere Mal über den Pflugweg, Haferäckerweg und zurück über die jetzige B 3.

Fest Christi Himmelfahrt. Den Abschluß der Bittprozessionen machte die feierliche Prozession an Christi Himmelfahrt. Ehemals ging diese entlang der Sandweierer Straße und über die Pfarrstraße zurück. Der Bildstock, an dem Station gemacht wurde, stand ehemals an der Sandweierer-, Ecke Riederstraße, an der Südecke der heutigen Tankstelle.

Im 18. Jahrhundert wurde an Himmelfahrt an alle Bürger Brot verteilt. Später gab es anstatt Brot 1/2 Kreuzer.

Bürgermeister Johann Peter zahlt auf Christi Himmelfahrt anno 1800 die Zech für 21 Singer und Musikanten mit 16 Gulden. Die Flurprozessionen waren bei der Bevölkerung sehr beliebt. Die Beteiligung war immer sehr groß.

Zur Bittwoche und Flurprozession eine kleine Erzählung:

>Es war ein sehr gutes Erntejahr. Die Scheunen und Fässer waren gefüllt und reichten nicht aus, den Most unterzubringen. Eines Tages schluchzte die Mutter mit einem Gefühl der Übersättigung und meinte: >Was solle mar denn mit dänne viele Epfel oofonge, d’Fesser sinn voll un s’Obst muß verfuule! !

Dann sagt der 5jährige Bub zur Mutter: Gäll Mueder, do hätts glongt, wenn bloß dar Vadder zu dar Flurprozession g’schickt hättsch! !

Im Evangelium steht geschrieben: Sehet die Vögel des Himmels, sie säen nicht und ernten nicht, sammeln nicht in ihre Scheunen und der himmlische Vater ernähret sie! !

Nach dem Gottesdienst hat das der alte Peter Säpp im >Grünen Baum< vorgetragen und darauf geantwortet: Dar Pfarre hegu-et bredje (predigen) un mir frässe d’Schbatze s’Welschkorn ungerem ( Dach! ! (Welschkorn = Mais, der unterm Dachvorsprung, vor Witterung geschützt, getrocknet wird).

Im Jahre 1790 erhalten der Schulmeister und die Sänger wegen Beiwohnung an den Prozessionen in der Kreuzwoch, so wurde die Bittwoche auch genannt, 4 Gulden und 6 Kreuzer ausbezahlt.

Fest Ewige Anbetung, 27. Mai. Vor Eröffnung der Betstunden 14.00 Uhr, war Sakramentsprozession ums sogenannte Backeffele. Die Häuser waren geschmückt, Kränze und Girlanden wurden gebunden, mit festlichen Gewändern hat sich alt und jung beteiligt. Eine Bürgerin sagte mir, daß sie von ihrer Mutter weiß, daß an dem Feiertag ehemals von den Frauen und Männern die Hochzeitskleider, getragen wurden, ein Zeichen, welchen Wert und welche Würde dieser Festtag beinhaltete.

Fronleichnam. Am Prozessionsweg war schon Tage vor dem Fest emsiges Treiben. Die Hausfassade wurde geweißelt, die Fenster geputzt und die Läden gestrichen, der Gartenzaun und das Hoftor ausgebessert. Alles sollte sich in bester Aufmachung zeigen. Vonbereitungen zur Ausschmückung der Altäre waren im vollen Gange. Am Festtagmorgen wurden die Einwohner mit Böllerschüsse geweckt. Jung und alt war emsig damit beschäftigt, einen Beitrag zum Fest zu leisten.

Die Prozession zog durch die Sandweierer Straße zur Große Straße, dann durch die Mühl-, Römer-, Hecken-, Hanf-, wieder zur Römer-  und Katharinenstraße zurück zur Kirche.

Stationsaltäre waren aufgestellt beim Hotel >Blume<, Gasthaus Zur Linde<, bei Friseur Peter und am Hause des Hugo Herr in der Römerstraße 15. Junges, frisches Grün stiftete die Gemeinde zur Ausschmückung des Dorfes. Viele Hände mußten schaffen, die kunstvollen Blumenteppiche vor den Altären zu fertigen. Bunte Girlanden über den Straßen und alljährlich ein Triumphbogen in der Hanfstraße beim Grundstück Urban Kraft und Hermann Klumpp trugen zum festlichen Gepräge wesentlich bei.

Die Ministranten trugen an diesem Hochfest sogenannte Schappel auf ihrem Haupte. Diese waren gefertigt aus grünem Moos oder aus Buxbaumzweigchen. Blüten waren in den kleinen Kopfschmuck eingeflochten und das Taufband durfte als Abschluß des Geflechts nichts fehlen.

Bei Glockengeläut und Böllerschüssen, unter Vorantritt der Musikkapelle und des Kirchenchores, formierte sich die Prozession. Die Vereine mit ihren Fahnen belebten das bunte Bild. Junge Burschen und Mädchen trugen Heiligen-Statuen und die Kleinkinder streuten auf dem Weg Blumen.

Von seiten der Kirche und der Gemeinde war vieles aufgeboten, den Herrgottstag würdig zu begehen.
Der Priester mit den Ministranten im festlichen Ornat, der Bürgermeister, die Gemeinde- und Stiftungsräte folgten dem heiligen Gut unterm Baldachin und die Erstkommunikanten gaben das Geleit. Die Prozession machte alljährlich einen imposanten, festlichen Eindruck und es wird sehr bedauert, daß dieses kirchliche Erlebnis dem Verkehr und anderen Umständen weichen mußte und in der damaligen Form nicht mehr durchgeführt werden kann.

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