Erinnerungen an christliche Bräuche – Prozessionen

Diese Geschichte hat sich in den Jahren des ersten Weltkrieges und auch danach manchmal wiederholt.

Als echte deutsche Patrioten haben wir uns Mut angesungen mit dem Lied: >Siegreich wollen wir die Bälljer schlagen, sterbens als ein tapfrer Held<. Auf dem Heimweg ist dann von dem Wörtchen wollen/ haben geworden. Es hat dann geheißen: >haben wir die Bälljer geschlagen<. Gefallen ist Gott sei Dank keiner.

Zum >Balme< wurden verwendet: Ein Stiel von 1 bis 2 Meter Länge, dann Stechpalme, Säbelbaum, Buxbaum, Kätzle, auch Zweige von Eichen und Buchen mit den dürren Blättern u. a.

Karwoche. An den Kartagen ersetzte eine große Ratsche >Rätsch< und eine solche auf dem Kirchturm das Glockengeläut.
Die Ministranten zogen am Karsamstag durch das Dorf zum Eiersammeln und verwendeten kleine Handrätschen.

Auferstehungsfeier. Zu den beliebtesten Gottesdiensten im Jahresablauf gehörte die Auferstehungsfeier am Karsamstagabend.

Wenn im dicht gefüllten Gotteshaus der Priester das Lied anstimmte >Christus ist erstanden< und das Volk begeistert mitsang, formierte sich die Lichterprozession und bewegte sich ums sogenannte Backeffele. Auch die Häuser auf dem Prozessionsweg waren illuminiert. Diese Feier brachte festliche Stimmung auf, glanzvoller Auftakt zum Osterfest.
Bei Erwachsenen und Kindern war die Osterprozession sehr beliebt; man hat sich darauf gefreut, alle waren mit dabei und wollten das feierliche Ereignis miterleben.

– Backeffele ist der Ortsteil zwischen der Sandweierer-, Römer- und Katharinastraße. Ehemals waren auf diesem kurzen Weg 4 Bäckereien: s’Beggedunje, s’Beggefronze, s’Fahrländers und s’Härrebegge. –

Weißer Sonntag. Es war ein alter Brauch, daß die Erstkommunikanten an ihrem Ehrentag, etwa um 12.00 Uhr, sich zu einer Prozession formierten und an den Dorf- und Flurkreuzen den Rosenkranz beteten.

Es ist interessant anzuführen, daß im Jahre 1920 die Erstkommunikantin Fränzl Merkel zu Grabe getragen wurde.

Walburgisfest. Daß schon vor 200 Jahren am Walburgisfest eine Prozession war, geht aus folgender Aufzeichnung aus dem Jahre 1783 hervor. 14 Füsiliere, welche auf das St. Walburgisfest das Sanktissimum begleiteten, bekamen je 15 Kreuzer ausbezahlt. Alljährlich kamen an diesem Tag viele Fremde, die Kirche war überfüllt, die Schuljugend mußte außerhalb der Kirche dem Gottesdienst beiwohnen. Von der Kinderschule waren die kleinen Bänke aufgestellt als Sitzgelegenheit bei der mindestens einstündigen Predigt. Ortsansässige und fremde Händler hatten beim >Grünen Baum< ihre Stände aufgestellt. Es gab allerhand zu kaufen, und das zog natürlich die Jugend an zu lebendigem Treiben.

Markusprozession. Aus einem Eintrag vom Jahre 1830 geht hervor -… vom bischöflichen Ordinariat wurde die Markusprozession für den 25. April angeordnet…

Es kann angenommen werden, daß vorher alle 4 Bittprozessionen in der sogenannten Bittwoche stattgefunden haben und nun eine davon auf den Markustag vorgezogen wurde.

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