Erinnerungen an christliche Bräuche – Prozessionen

Aus der geschichtlichen Vergangenheit

von Gudio Müller†

Erinnerungen an christliche Bräuche – Prozessionen

Mit Hilfe von Herrn Guido Müller können wir auch in diesem Jahre wieder etwas Interessantes aus der geschichtlichen Vergangenheit Sandweiers bringen.

 wenn kirchliche Bräuche, dann will ich diese nach dem Ablauf des Kirchenjahres aufzeichnen.

 Advent die üblichen Rorate oder Votivämter, gleichzeitig Schülergottesdienste, noch kein elektrisches Licht in der Gemeinde, außer den 2 oder 4 Kerzen am Altar, war die Kirche stockdunkel. Die Frauen brachten ihre Wachsstöcke mit in der Zylinderform, als aufgespulte Kugel oder auch in Buchform.

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Diese Wachsstöcke, wie man sie nannte, wurden angezündet, um das Gesangbuch nutzen zu können, um mitzubeten oder zu singen. Auch die Jugend wollte mittun und besorgte sich Wachsstockreste und Kerzenstumpen. Manchmal fing die Kirchenbank Feuer und mancher Schüler mußte bestraft werden wegen seinem unvorsichtigen Verhalten. Die dunkle Kirche mit den vielen kleinen Lichtern mutete heimelig, ja zauberhaft an. Die Gottesdienste waren immer sehr gut besucht. Sie vermittelten eine echte vorweihnachtliche Stimmung.

Weihnachten. Am Christtag in der Frühe um 5.00 Uhr läuteten alle Glocken, sofern welche auf dem Turme waren. Es war das sogenannte Schreckläuten. So genannt, weil das Geläut die Bürger aufschrekken sollte, sich vom Nachtlager zu erheben und um 6.00 Uhr zur Christmette und dem anschließenden Hirtenamt zu kommen. Es war auch Brauch, solange noch die Glocken läuteten, dem Vieh das Futter zu geben.

Palmsonntag. Dieser Tag hatte seine Bedeutung besonders für die männliche Jugend.
Am Sonntag, oder auch schon 2 Sonntage vor dem Palmsonntag, sind die Sondwiermer Kerl von den ältesten Schuljahrgängen nach der Mittagskirch Richtung Balli marschiert, um im Bälljer Wald Stechpalmen und Säbelbaumzweige zu holen. Es wurde über das Bahnwartshäusel, über den Landweg dem Riedl zu in den Bälljer Wald marschiert, vorbei an den letzten Häusern am nördlichen Ortsrand.

Am Hinweg gings meistens ohne besondere Vorkommnisse. Aber auf dem Heimweg haben uns die Bälljer Kerl abgepaßt und wollten uns verschlagen, oder haben Steine auf uns geworfen. Sie haben es nicht leiden wollen, daß wir in ihrem Wald die Stechpalmen holen. – Sandweierer Dialekt: Balme. –

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