Mai 27 1999

Sandweierer Lied

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Sandweier

Sandweierer Lied

Ein Dörflein liegt im Blumenschmuck,
umkränzt von Wald und Wiesen,
nicht weit vom alten Kinzigstrom,
wo bunte Blumen sprießen.

Sandweier heißt der schöne Ort
am alten Landseestrande,
wo Topinambur üppig wächst
im braunen Lehm und Sande.


Ums Kirchlein mit dem hohen Turm
sich schmucke Häuser scharen,
wo vor nicht allzu langer Zeit
noch Feld und Weiden waren.

Sandweier heißt…

Nach Römern kamen Bauern her,
die kühn ins Ödland drangen
und zäh und stark mit Bauernfleiß
bald Bruch und Sand bezwangen.

Sandweier heißt…

Vom Bauerntum blieb nicht mehr viel,
längst ist das Dorf im Wandel.
Es weht der Wind der neuen Zeit
durch Industrie und Handel.

Sandweier heißt,..

©Karl Vetter


Nov 7 1985

Erinnerung an die Auswanderung nach Ebersteinburg im Jahre 1940

Gedicht:

Erinnerung an die Auswanderung nach Ebersteinburg im Jahre 1940

Man meint es sei erst gestern gewesen
dabei sinds fünfundvierzig Jahr
als überm Rhein dort die Franzosen
das Dorf beschossen hab’n, für wahr.

Ganz dumpf der Abschuß, dann das „Zischen“
gehts drüber weg, wo schlägt es ein?
Mir steckt das heut noch in den Knochen,
wo wird der nächste Einschlag sein?

Ein Trichter, oder Granatenloch
ein Krach – ein Dreck – Sirenen – G’schrei
wir rannten in die Luftschutzkeller
wie d’Mäus – grad in die Falle nei.

Ja, kann man’s wissen, ob dann hernach
wenn die Entwarnung ist zu hören,
wir können aus dem Keller ‚raus
oder müssen gar drin sterben?

Schrecklich war’s, man war schon drauf gedrillt,
ob in der Schul‘, ob auf dem Feld,
ob du grad warst auf jenem Örtchen,
auf einmal hat d’Siren gebrüllt.

In der Schulzeit wars ä Gaudi,
der Unterricht fiel dadurch aus,
aber zugleich hat man gezittert
um die Lieben an der Front und z’Haus.

Und z’Nacht, kaum recht eingeschlafen
aus wars mit der verdienten Ruh,
aufstehn – anziehn – so ganz im Dunkeln –
kein Lichtstrahl durft nach draußen gehn.

Die Bomber schwer – wie Donnergrollen –
ganz dumpf und furchtsam wie die Nacht
man fror am ganzen Leib vor Schrecken –
selbst Kinder sind vom Schlaf erwacht.

Und eines Morgens war gewesen,
die Nacht schrecklich und ohne Schlaf –
wir mußten unser Dorf verlassen –
da half kein Weh und auch kein Ach –

Elf Lenze zählte erst mein Leben –
voll Kindheit noch und Träumerei –
da zogen wir mit „Sieben Sachen
für jeden s’Nötigste“ dabei.

Das Allernötigste? Wenn keiner weiß
ob, wann und wie er kann zurück-
für Mensch und Vieh noch mitzuschleppen –
das war ein echtes Meisterstück.

Sandweier teilte man in Gruppen
der „Zufluchtsort wur gleich genannt
Ebersteinburg mit der Ruine
war uns’rer Gruppe längst bekannt

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Schüler aus Sandweier und Ebersteinburg mit Lehrer vor der Schule in Ebersteinburg

Die Kühe zogen schwer den Wagen-
bergauf ein ungewohnter Pfad
und über uns der Wolken Schwaden
durchzog der Bomber Krieges Saat

Wir wurden freundlich aufgenommen-
manch Freundschaft besteht noch heut –
doch viele Tränen sind geflossen
wenn schlimme Nachricht uns erreicht.

Am Morgen: Ein Stück Brot und Milch dazu
wars Frühstück frischweg von der Kuh,
dann die Bücher unterm Arm geklemmt
und ab im Trab zur Schul gerennt.

Gar manchmal standen wir dort oben
und der Blick galt unserm Ort.
Schon wieder schossen die Franzosen
und hinterließen Spuren dort.

Wird unser Häus’chen denn noch stehen
wenn der Kanonen Wut verrint –
wird uns’re Turmuhr dann noch gehen?
All das bedenkt man auch als Kind.

Solang du Vater und die Mutter hast
geht es dir trotzdem noch ganz gut.
Und hättest du auch nur einen „Ast“
auf dem dein müdes Haubt kann ruh´n.

Und eines Tages hieß es nur:
wir dürfen alle wieder heim –
Juchhei, Juchhei – ade – du „Burg“!
Doch wann wird endlich Fride sein?

7. Nov. 1985
© Margarete Nezbeda geb. Herr

(Quelle: Jahresrückblick Sandweier 1985)