Die alten Glasmalerei-Fenster der Marienkapelle am Friedhof in Sandweier
Allgemeine Bemerkungen
Die folgenden Ausführungen beruhen zu einem großen Teil auf Feststellungen, die von Herrn Andreas Linnenschmidt, Glasgestaltung in Baden-Baden-Steinbach, als einem ausgezeichneten Fachmann getroffen wurden. Er hat die Fenster in ihrem Zustand nach dem Auffinden begutachtet und in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Museumsbetreuung dann auch ihre hervorragend gelungene Restauration vorgenommen. Die Darstellungen in den Fenstern beziehen sich auf das örtliche Schutzpatronat oder auf das der einzelnen Stifter. Doch darauf wird noch bei den einzelnen Glasmalereien einzugehen sein. Diese personenbezogene Malerei wird als Ikonografie bezeichnet. Die Fenster sind im sog. „Nazarenerstil“ gemalt. Dies ist eine, am Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Stilart der Romantik, besonders auf dem Gebiet der bildenen Künste, speziell dem der Malerei. Da sich die Maler dieser Stilrichtung in besonderem Maße der Darstellung biblischer Motive widmeten, wurden sie zuerst spöttisch, im nachhinein aber voll anerkannt, die „Nazarener“ genannt. Bedeutende Künstler wie Peter v. Cornelius, Schnorr v. Carolsfeld usw. gehörten dazu.
Natürlich hatte sich Börner während seiner Lehr- Lind Ausbildungszeit mit dieser Kunstrichtung befaßt, und da er von der Kirche am Anfang die wesentlichen Aufträge erhielt, war es verständlich, daß er zum großen Teil seine Werke in dieser Stilrichtung fertigte.
Die sechs Fenster haben alle die gleichen Maße und ihr Grundaufbau ist derselbe. Jedes Fenster ist dreigeteilt, oben der „Dreipaß“, einen Hinweis auf das „himmlische Jerusalem“, dem figürlichen Hauptteil mit dem entsprechenden Schutzpatron und einem Sockelbereich, der teilweise die Namen der Stifter enthält. Die Größe der dargestellten Person – in etwa 90 cm – lenkt den Blick des Betrachters natürlich auf sie, ein typischer, so gewollter Effekt der Fenster. Das Haupt jeder Figur umgibt ein Heiligenschein und wird dann von einem Bogen mit Ornamenten verziert, der auf einem Kapitell und einer sehr schlanken Säule ruht. Eingerahmt wird das Ganze von einem Blütenornament aus mundgeblasenen kleinen Butzenscheiben. Der Sockel, auf dem die Figuren stehen, ist in der Regel ein interessantes dreigliedriges gotisches Maßwerk.
Soweit die allgemeine Beschreibung der Fenster, wobei festzustellen ist, daß Dreipaß, Sockel und auch die Umrahmung der dargestellten Heiligenfigur bei allen Fenstern in etwa gleichgeartet sind.
Von besonderer Art und Schönheit aber ist die Malkunst Börners bei den einzelnen Figuren mit dem entsprechenden Beiwerk.
Im Kapellenfenster trägt er ein mit breiter Borte verziertes Untergewand und einen weiten reich gefalteten Umhang. Seine rechte Hand ruht auf seiner Brust bzw. seinem Herzen. In der linken Hand hält er eine weiße Lilie als Friedens- und Unschuldszeichen. Sein Gesicht ist von einem kräftigen Vollbart und langen Haaren eingerahmt. Der Sockel des Fensters trägt keinen Stifternamen, sondern ist wie eingangs beschrieben gestaltet.
Ihre Verehrung als Heilige begann schon im frühen Mittelalter und breitete sich über ganz Süddeutschland aus. Papst Leo IX. weihte schon 10.54 in Straßburg eine Kapelle zu Ehren der hl. Walburga, und 1074 wurde im „Heiligen Forst“, dem heutigen Hagenauer Wald, also nicht allzuweit von Sandweier im Unterelsaß, ein der hl. Walburga geweihtes Benediktinerkloster gegründet, das allerdings während des Bauernkrieges verwüstet und dann aufgegeben wurde. Erste urkundliche Erwähnung fand die Walburga-Verehrung in Sandweier im Jahre 1490. Es ist zu vermuten, daß diese heute noch besonders gefeierte Walburga-Wallfahrt am 1. Sonntag im Mai jeden Jahres ihren Ursprung in der Verbindung zu diesem Kloster halte. Es ist auch nachgewiesen, daß das Walburga-Kloster im „Heiligen Wald“ in Beziehung zu Eichstätt stand.
Auf dem Fenster der Friedhofskapelle ist die Heilige im Nonnengewand mit Schleier, den Äbtissinnenstab im rechten Arm, die kleine Ölkanne in der linken Hand, dargestellt. Letzteres hat seinen Ursprung in dem recht eigenartigen sog. „Ölfluß“ aus dem Sarkophag der hl. Walburga in Eichstätt zu tun. Dieser Flüssigkeit wird eine wundersame Heilkraft zugesagt. Der Pfarrer Maximilian Frh. Rinck von Baldenstein hat sich besonders um diese Wallfahrt bemüht, das „Walburgisöl“ von Eichstätt besorgt, und so ist es nicht verwunderlich, daß eines der sechs Kapellenfenster der hl. Walburga als Wallfahrtspatronin gewidmet wurde.
Unter Kaiser Maxentius, einem Mitregenten des römischen Kaisers Diokletian, der wegen seiner furchtbaren Christenverfolgung bekannt ist, wurde sie gefoltert, sollte mit einem mit Zacken versehenen Rad getötet werden. Doch dieses zerbrach und die hl. Katharina erlitt den Märtyrertod durch Enthauptung. Ihr Leichnahm soll der Legende zufolge von Engeln auf den Berg Sinai gebracht worden sein. Als Todesjahr wird das Jahr 306 oder 310 angegeben. Am Fuße des Berges Sinai befindet sich heute noch ein Katharinenkloster, das im sechsten Jahrhundert gegründet worden sein soll.
Auf unserem Fenster trägt diese Heilige eine Krone, in ihrer linken Hand hält sie als Zeichen ihrer Friedfertigkeit einen grünen Palmzweig. Ihr lieblich dargestelltes Gesicht wird von Locken eingerahmt, ihr Kleid ist schlicht aber mit reichem Faltenwurf gemalt, die rechte Hand hält ihren etwas helleren Umhang. Links unten ist das mit Nägeln versehene Marter-Rad zu sehen. Den Sockel des Fensters umgibt die Inschrift: „Gestiftet von Matthäus Herr und Ehefrau Theresia Weber“.
Zu erwähnen wäre abschließend noch, daß das Krönchen von Glasmalermeister Linnenschmidt im Rahmen der Restaurierung dieses Fensters neu gestaltet werden mußte, da es anscheinend schon beim Ausbau nicht mehr vorhanden war. (Es wurden in der Aufbewahrungskiste keine Scherben gefunden).