Die alten Glasmalerei-Fenster der Marienkapelle am Friedhof in Sandweier

Der heilige Franz von Assisi 

Der Namenspatron des als Stifter angegebenen älteren Bruders u Pfarrherrn, Franz Seraph Fhr. Rinck von Baldenstein, dem eines unserer Kapellenfenster gewidmet ist, dürfte wohl einer der größten als heilig verehrten Personen der christlichen Kirchen sein. Seine Lebensgeschichte, die man zwar kennt, die aber von unzähligen Legenden umrankt ist, ist so eindrucksvoll und von tiefster Frömmigkeit geprägt, daß sie manchem fast unverständlich und unbegreiflich erscheint. Der Sohn eines reichen Tuchhändlers in Assisi führte als junger Mensch ein Leben in Reichtum und Wohlergehen. Im Jahre 1182 geboren, erlebte er eine Welt, die von Unrecht, Gewinnsucht und Gewalt beherrscht war. Sein eigentlicher Name war Johannes, (Giovanni,) aber da seine Mutter aus Frankreich stammte, wurde er später Franziskus (Franz benannt. 

Sein Wandel zum „Poverello“, dem „Ärmsten der Armen“, wird in den verschiedenen Lebensbeschreibungen des hl. Franziskus unterschiedlich geschildert. Die wohl am sichersten richtige, weil auch kritisch und durch intensivstes Quellenstudium gestützte Lebensbeschreibung dürfte der reformierte Schweizer Theologe Walter Nigg verfaßt haben. Er nennt den hl. Franziskus den „größten Heiligen des Christentums“. Vom Pfleger von Kranken und Aussätzigen bis hin zum Bettler in Gottes Namen ist Franziskus in der Kirchengeschichte eine einmalige Persönlichkeit. Er ist der Gründer des l. Bettlerordens, der schon zu seiner Lebenszeit ungeheueren Zuwachs bekam. Seine Christus-Visione sind ebenso historisch bestätigt wie die Tatsache seiner Stigmatisierung d. h. das Versehensein mit den Wundmalen Christi. Überhaupt versuchte der hl. Franziskus, Christus so ähnlich zu werden wie nur möglich. Bei aller Strenge gegen sich selbst und seine sich rasch vergrößernde Bruderschaft war die verzehrende Liebe zu aller Kreatur seine besondere Eigenschaft. So entstand schon rund 50 Jahre nach seinem Tod das erste Bild mit dem Thema „Franziskus predigt den Tieren“, ein Fresko Cimabue im Querschiff der Unterkirche in Assisi. Der hl. Franziskus verstarb nach langem schweren Leiden am 3. Oktober 1226 auf dem blanken Fußboden seiner Zelle in Portiunkula, einem kleinen Landflecken in Assisi, der ihm von einer Benediktinerabtei geschenkt worden war. Schon zwei Jahre nach seinem Tode wurde Franziskus von Papst Gregor IX. heilig gesprochen. Über seinem Grab erhebt sich eine mächtige Kirche, der Heilige ist heute der Hauptpatron Italiens. Noch hinzuweisen wäre auf seine zahlreich verfaßten Loblieder, darunter der berühmte, vielfach vertonte „Sonnengesang.“ 

Unser Kapellenfenster stellt den hl. Franziskus dar im Mönchsgewand mit hellem Strick um die Mitte mit den drei Gelübdeknoten, die Armut, Keuschheit und Gehorsam kennzeichnen, an den Füßen die Sandalen. Die rechte Hand ist mahnend oder segnend erhoben, die linke liegt auf dem Herzen. An beiden Händen sind die Wundmale zu erkennen. Im Sockel des Fensters befindet sich das große Wappen der Freiherren Rinck von Baldenstein mit Schild, Helm und Helmzier und die Inschrift: „Gestiftet von Franz Seraph Fhr. Rinck von Baldenstein, Hauptmann a.D. zum Andenken seiner † (verstorbenen) Eltern“. Der Stifter selbst ist schon wenige Jahre später verstorben, er ist zwar im Fenster als solcher gekennzeichnet, in der Spenderliste, die sein Bruder führte, aber nicht aufgeführt. 

IV. Pfarrer Maximilian Freiherr Rinck von Baldenstein
 
 Hier noch einige interessante Daten über den Initiator und Bauherrn unserer Friedhofskapelle und damit auch der grundsätzlichen Gestaltung ihrer Fenster. Pfarrer Maximilian, Ludwig, Fidel Freiherr Rinck von Baldenstein entstammte einem uralten rätischen Adelsgeschlecht, dessen genau verfolgbare Stammreihe um 1450 beginnt. Das Geschlecht gehörte zur schwäbischen Reichsritterschaft des Breisgaus und Hegaus. Dem rätischen Besitz Baldenstein, der 1568 veräußert wurde, ist der Beiname entnommen, daher „Rinck von Baldenstein“. In Besitz des Geschlechtes befindet sich die Grundherrschaft Neuershausen (seit 1619) bei Freiburg. Daher war der Wohnsitz der adligen Familie zu einem bestimmten Teil wohl Freiburg i. Brsg.
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Pfarrer Freiherr Maximilian Rinck von Baldenstein

 

Pfarrer Rinck von Baldenstein, am 12.08.1844 in Freiburg als das 5. von 6 Kindern geboren, kommt aus einer gut katholischen Familie. So ist sein Theologiestudium zu verstehen. Bevor er 1883 als Pfarrer nach Sandweier kam, war er Pfarrverweser in Ebringen bei Freiburg. Die Pfarrgemeinde hat ihm trotz der kurzen Zeit, die er hier war, sehr viel zu verdanken. So hat Pfarrer Rinck von Baldenstein neben dem Bau der Friedhofskapelle dafür gesorgt, daß die seit ihrem Verbot (1818) etwas darniederliegende Wallfahrt zur hl. Walburga in Sandweier neu belebt wurde. Auch die Genehmigung, in der Pfarrkirche einen Kreuzweg zu errichten und selbst zu „benefizieren“ (weihen) wurde ihm 1885 vom Erzbischof erteilt. 

Auf ihn als großzügigen Spender wird noch einzugehen sein, wie auch auf seine Schwester, die Frau Oberstleutnant Schneider aus Karlsruhe geb. Freiin von Rinck. Natürlich wäre sowohl Bau als auch Ausstattung der Friedhofskapelle nicht ohne die äußerst imposanter Geldspenden der Schwestern Justina und Elisabeth Burkart aus Sandweier möglich gewesen. Darauf wurde a.a.0. schon hingewiesen. 

Pfarrer Rinck von Baldenstein ist dann 1889 Divisionspfarrer der 28. königlich preußischen Infanterie-Division in Rastatt geworden. 1902 war er Priester in Bregenz am Bodensee, 1906 als solcher in Pfronten im Allgäu, vermutlich schon als Pensionär. Das Datum seines Todes konnte leider nicht ermittelt werden. Nach wie vor hat dieses Adelsgeschlecht aber noch Besitzungen in Neuershausen, Gemeinde March im Breisgau und dort auch ein Familiengrab.

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