Die alten Glasmalerei-Fenster der Marienkapelle am Friedhof in Sandweier

 

 V. Wichtige Spender für die Fenster 

Hier ist von vorneherein eine Einschränkung zu machen. Nur an drei von den sechs Kapellenfenstern sind Stifter vermerkt, zweifellos sind aber alle aus gespendeten Geldern bezahlt worden. So hat Pfarrer Rinck von Baldenstein 400 Mark, seine oben erwähnte Schwester 100 Mark, eine Frau Friedmann geb. Burkart 170 Mark gespendet, Gemeinderechner Matthäus Herr und Ehefrau haben 1889 100 Mark und 1890 nochmals 60 Mark zur Verfügung gestellt. Ein recht ansehnlicher Betrag von 100 Mark ging von der Näherin Franziska Schmied ein und von den Schwestern Burkart erhielt Pfarrer Beuchert, der Nachfolger des nach Rastatt abgegangenen Freiherrn Rinck von Baldenstein, weitere 200 Mark, so daß damit zumindest die sechs Fenster, die inclusive Einbau 994 Mark kosteten, ohne weiteres bezahlt werden konnten. Glasmaler Börner war augenscheinlich sehr glücklich über die prompte Begleichung seiner Rechnung – er hatte schon eine Vorauszahlung erhalten – da sich sein Betrieb ja noch im Aufbau befand. Die aufgeführten Stifter für die einzelnen Fenster sind bei deren Beschreibung besonders genannt. Daß hier nicht die zahlreichen Spender kleinerer Beträge erwähnt werden können, ist sicher verständlich. Aber auch sie haben Dank und Anerkennung verdient. 

 Vl. Ausbau der Fenster und Restauration 

Wie schon vorstehend erwähnt wurden die Glasmalereifenster zu Beginn des 2. Weltkrieges, also Anfang 1940 auf Veranlassung des damaligen Pfarrherrn Emil Maier aus der Kapelle entfernt. Inwieweit schon vorher Schäden wie zerbrochene Scheiben u.ä. vorhanden waren, ob während des Ausbaus weitere Bruchstellen entstanden, ist nicht nachzuvollziehen. Die hauptsächlichsten Schäden, die die Fenster erlitten, sind zweifelsohne durch die falsche Lagerung verursacht worden. Da sie aber die letzten 50 Jahre keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt waren, hat vor allem die farbliche Gestaltung der Fenster durch die immer größer werdende Luftverschmutzung usw. keine nennenswerten negativen Einfluß erhalten, so daß alle Stellen, die sich damit zu befassen hatten, eine sachgerechte Restauration als notwendig und sinnvoll erachteten. Herr Andreas Linnenschmidt hatte allerdings insgesamt rund 160 Bruchstellen im Blei oder im Glas festgestellt. Dies bedeutete eine recht aufwendige Restaurierungsarbeit. Daher mußte man sich über die Finanzierung klar sein. Wie alle von der kath. Kirchengemeinde zur Verfügung gestellten sakralen Exponate sind auch diese Fenster für unser Heimatmuseum nur Leihgaben, d.h. sie bleiben Eigentum der Pfarrgemeinde. Mit Pfarramt und Pfarrgemeinderat wurde daher abgesprochen, daß die Restaurierungskosten je zur Hälfte vom Heimatverein und von der Kirche getragen werden sollten. Da mit einem nicht unerheblichen Landeszuschuß zu rechnen war, fiel es dem Vorstand des Heimatvereins nicht schwer, auch in diesem Fall seinem satzungsgemäßen Auftrag, für die Erhaltung örtlichen Kulturgutes Sorge zu tragen, zu erfüllen. Das erzbischöfliche Bauamt drückte sich in einem Schreiben äußerst lobend darüber aus, daß auf diese Weise wertvolle sakrale Kunstwerke der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht würden. 

Den Auftrag zur Restauration der sechs Fenster erhielt nun Andreas Linnenschmidt, Glaskunst, in Baden-Baden-Steinbach, der auch die schönen Glasmalereifenster, die heute die Kapelle schmücken, fertigte. Eine ausführliche Besprechnung mit den für die Bewilligung des Landeszuschusses zuständigen Herren Restauratoren aus Stuttgart, bei der auch der Autor dieser Dokumentation anwesend war, gab dann die Grundlage für eine wirklich gelungene Wiederherstellung der sechs Fenster, wofür der Firma Linnenschmidt ganz besonders zu danken ist. Es war oft eine schwierige und langwierige Arbeit, mußte man sich doch mit der ursprünglichen Arbeitsweise Eugen Börners vertraut machen, um ja keine Veränderung der einstmaligen Glasmalerei zu erreichen. Und das ist Herrn Linnenschmidt in vorzüglicher Form gelungen. 

Um auf jeden Fall künftig Lagerschäden zu vermeiden, schlugen die Herren aus Stuttgart ebenso wie Herr Linnenschmidt vor, die Fenster in schmale feste Stahlrahmen zu fassen und so dafür zu sorgen, daß jegliche Verbiegung unmöglich wurde. In Herrn Rudi Völlnagel fand der Heimatverein einen ganz hervorragenden Kunstschlosser, der in enger Zusammenarbeit mit Andreas Linnenschmidt und mit Hilfe und Mitarbeit von Siegfried Schulz für alle sechs Fenster maßgerechte und maßgleiche, kunstvoll verzierte Rahmen schuf, die die oben angeführten Bedingungen erfüllten. Nachdem dann der leider schon verstorbene, damals pensionierte Elektriker Herbert Kühn in gemeinsamer Arbeit mit Ortwin Peter, Wendelin Klumpp und dem Autor die Möglichkeit geschaffen hatte, mit zwei von rückwärts zu beleuchtenden Ausstellungskästen zwei der sechs nun vollständig restaurierten Fenster in entsprechender Form auszustellen, war ihre Unterbringung im sakralen Bereich des Sandweierer Heimatmuseums kein Problem mehr. Mit dem kath. Pfarramt war vereinbart, bei der Ausstellungsmöglichkeit die Fenster in regelmäßigen Abständen zu wechseln. Die Unterbringung aller sechs Fenster als Exponate im Museum war aus Platzgründen von vorneherein ausgeschlossen. 

Ein weiteres Fenster ist im Obergeschoß des Pfarrhauses ausgestellt und kann von Besuchern des Pfarrbüros auf Wunsch betrachtet werden.

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