Unser Jagdhaus

Es waren wahrlich turbulente Zeiten damals, die, wie a.a.0. berichtet, auch unser Dorf nicht verschonten. Doch als 1602 Markgraf Ernst Friedrich auf unserer Gemarkung das Jagdhaus erbauen ließ, war Sandweier schon seit 30 Jahren eine selbständige aber kleine Gemeinde mit eigenem Schultheiß. Auch als Pfarrei war unser Dorf eigenständig Das Jagdhaus wurde außerhalb des damals bestehenden Ortes. dessen Häuser sich zu jener Zeit um die Kirche scharten, auf dem Schafhofgelände erstellt. Dieses war nämlich direktes Eigentum der Baden-Badener Markgrafen. Die Jagd, speziell auch die Entenjagd, war ein äußerst beliebtes Vergnügen der Markgräflichen Familie und ihrem Anhang die im übrigen im Laufe der Jahrzehnte einige ihrer Mitglieder durch Jagdunfälle verlor. Noch rund 90 Jahre später plante man ein riesiges Jagdgebiet zu errichten und es mit Palisaden einzuzäunen. Das damals noch nicht existierende Rastatter Schloß war als wesentlich kleineres Jagdschloß vorgesehen. Das Jagdgebiet sollte den gewaltigen Raum von dort über Kuppenheim, Bühl und Stollhofen umfassen. Eine Fotokopie dieses Planes. dessen Original sich im Generallandesarchiv in Karlsruhe befindet, wurde unserem Heimatverein bzw. dem Heimatmuseum vom Heimatverein Haueneberstein, mit dem uns eine herzliche Freundschaft verbindet, gespendet Der Schafhof, d.h. das damals ja schon vorhandene Jagdhaus liegt in etwa im Zentrum des im Plan vorgesehenen Gebietes, der allerdings dann nicht verwirklicht wurde.

Doch blicken wir wieder zurück. Aus Eduard Fortunats Ehe mit der nicht allerkannten Marie von Eicken, einer ehemaligen Kammerjungfer, waren drei Prinzen hervorgegangen. Der Älteste, Wilhelm, sollte nach dem Tode seines Vaters die Markgrafschaft Baden-Baden erben. Doch dieses Erbrecht wurde von den Durlachern nicht anerkannt. Erst nach der von den Protestanten verlorenen Schlacht bei Wimpfen im Jahre 1622 konnte der katholische Markgraf Wilhelm seine Herrschaft in Baden-Baden antreten und damit die „Baden-Durlachische Okkupation“ beenden. Es ging zwar his zum Westfälischen Frieden 1648 noch einige Male hin und her, aber Markgraf Wilhelm regierte sein Land „mit edler Vernunft und weisem Sinne“ bis 1677. Er überlebte 84 jährig alle seine Söhne. Sein Nachfolger wurde sein berühmter Enkel Markgraf Ludwig Wilhelm, der uns allen bekannte „Türkenlouis“. Während dessen Regierungszeit wurde das Rastatter Schloß gebaut. Er konnte zwar die Fertigstellung nicht mehr erleben, bezog aber im Jahre 1705, eineinhalb Jahre vor seinem Tod das Schloß und verlegte damit seine Residenz von Baden-Baden nach Rastatt. Da schon Markgraf Wilhelm mit der Trockenlegung des Landsees begonnen hatte, wurde unser Jagdhaus von nun an hauptsächlich als Försterei und Meierei benützt.

Quellen:

Carl Eduard Vehse: Die Höfe zu Baden, Herausgeber: Wolfgang Schneider

Rolf Gustav Haebler: Badische Geschichte Daferner u.a.: Fundamentum zur Geschichte der Stadt Baden-Baden

Guido Müller / Karl Bruckner: Heimatbuch von Sandweier

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