Unsere Volksschule vor rund 100 Jahren (1995)

Die Schüler verteilten sich auf 6 Klassen. wobei je nach Größe der einzelnen Schuljahrgängezweimalig zwei Jahrgänge zu einer Klasse zusammengefaßt waren. So liegt z.B. die Klassenverteilung für das Schuljahr 1891/1892 vor:

I. Klasse:                1. Schuljahr mit 28 Schülern

Il. Klasse:               2. + 3. Schuljahr mit 23 + 39 = 62 Schülern

III. Klasse:            4. Schuljahr mit 39 Schülern

1V. Klasse:            5. Schuljahr mit 42 Schülern

V. Klasse:               6. Schuljahr mit 28 Schülern

Vl. Klasse:             7. + 8. Schuljahr mit 37 + 36 = 73 Schülern

In diesem Schuljahr mußten also insgesamt 272 Schulkindern unterrichtet werden. Daß so große Kombinationsklassen für die betreuenden Lehrer schon eine außergewöhnliche Belastung darstellten, dürfte wohl einleuchten. Nicht jeder war auf Dauer geeignet. sich durchzusetzen und den Lehrstoff mit Erfolg zu vermitteln. Daher immer wieder einmal die oben erwähnten negativen Beurteilungen der vorgesetzten Behörde, des „Kreisschulvisitators“.

Der Entlassungsjahrgang 1895/96 hatte 13 Knaben und 16 Mädchen. Seit Februar 1896 hatte Hauptlehrer Julius Haffner, der schon im November 1894 unserer Schule zugewiesen worden war, die Leitung der Schule übernommen. Haffner war ein überaus tüchtiger Lehrer. Unter seiner Leitung konnten die Leistungen der Schüler und auch seiner Kollegen sich enorm verbessern, was die uns vorliegenden Prüfungsberichte aus den Jahren 1896 und 1897 und folgende belegen.
Im Herbst 1895 übernahm er auf Anordnung des Großherzogl. Kreisschulvisitators auch die oben erwähnte Entlassungsklasse und führte sie zu einem für alle recht ordentlichen Abschluß. Interessant sind hier die im Entlassungszeugnis abgegebenen Bewertungen. So gab es eine allgemeine Note für „Fähigkeiten“, es wurde neben dem „Fleiß“ auch die „Sittliche Aufführung“ benotet, ebenso der „Schulbesuch“. Für den einzelnen Schüler wurde eine „Gesamtnote“ festgelegt, die z.B. auch 2 1/2 oder 3 1/2 lauten konnte. Die in einer Liste zusarnmengefaßten Noten der einzelnen Entlaßschüler wurden vom 1. Hauptlehrer (Schulleiter) und vom Bürgermeister als dem Vorsitzenden der Schulkommission unterzeichnet.

Bislang ließ der knappe Schulraum die Einführung des im Großh. Badischen Schulgesetz vorgesehenen erweiterten Unterrichtes nicht zu. Haffner aber hatte klar erkannt, daß die Sandweierer Kinder dadurch einen beachtlichen Nachteil erleiden würden, und erreichte wenigstens, daß ab 1898 stufenweise dieser erweiterte Unterricht an unserer Schule erprobt werden sollte. So mußte die Gemeinde in die Planung und den Bau eines neuen Schulhauses eintreten, das dann zusammen mit einem Lehrerwohnhaus am 27. Juli 1901 eingeweiht werden konnte. Da man die Schulräume im alten Schulhaus weiter benützen wollte, baute man vorerst nur zwei Schulsäle. Aber schon wenige Jahre später, nämlich 1908, wurde das Haus auf die heutige Größe erweitert und hatte nun 6 große Klassenzimmer.

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