Das Fachwerkhaus

Sollte ein Haus erstellt werden war, zunächst Wasser notwendig. Ein Brunnen wurde gebohrt oder geschlagen. Zunächst war der gebohrte Brunnen üblich. Die Erde wurde in einem runden Kessel von etwa 1,5 Meter ausgehoben und seitlich ausgemauert und zu einem Schöpf- oder Ziehbrunnen gerichtet. Die Pumpbrunnen kamen erst zu einem späteren Zeitpunkt und wurden meist geschlagen, d. h. das Brunnenrohr wurde in den Boden gerammt.

Manchen Handwerker-Beruf kannte man damals noch nicht. Als Beispiel den Blechner oder Klempner, man kannte auf dem Dorf Dachkanäle und Abflußrohre noch nicht, es sei denn, daß hölzerne Dachkanäle, ohne Abflußrohr, verwendet wurden. Das Regenwasser floß direkt von den Ziegeln ab und bildete auf der Erde eine Rinne. Man konnte am Dachtrauf seinen Spaß haben wie es bei Regen- oder Tauwetter rieselte oder plätscherte. Wer in der Nacht nicht schlafen konnte und Lust dazu verspürte, zählte die Tropfen!!

Unsere Ahnen hatten damals auch keine Gipser notwendig. Die Innenräume zu glätten und den Außenputz besorgten mit Kalkbrei und Lehm die Maurer. Der Maler und Tapezierer erübrigte sich. Holzteile wurden roh belassen und hielten doch Generationen durch. Installateur, ha, das Wort kannte man gar nicht.

Holztruhe

Ein Kleiderschrank war nicht in jedem Haus. Der Sonn- und Festtagsstaat wurde in der Truhe verwahrt und die Werktagskleider an Dübeln oder Nägeln aufgehängt.

Die Menschen jener Zeit waren anspruchsloser und deshalb glücklicher als die heutige Generation.

War der Winter sehr kalt, verbarrikadierte man die Haus- und Stalltüre mit Strohbündel. Vom Wohnhaus in den Stall bestand ein direkter Zugang. Dieser wurde geöffnet und die Wärmeausstrahlung des Großviehes machte Wohnung und Stall mollig warm. Nach dem damit verbundenen Geruch fragte niemand, die Hauptsache, es war warm.

Ein kleines Blumengärtchen vor dem Haus und hinter dem Grundstück der Obst-, Gemüse- und Grasgarten vervollständigen das Gesicht des Fachwerkhauses.

Um das Gebäude vor Blitzschlag zu schützen wurde ein hochwachsender Baum gepflanzt, etwa ein Nussbaum, Birnbaum, oder auch eine Tanne.

Im Jahre 1981, Guido Müller

(Quelle: Jahresrückblick Sandweier 1981)

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