Das Fachwerkhaus

Das Fachwerkhaus

von Guido Müller

Das Fachwerkhaus ist etwas lebendiges, stilvolles in unserer Landschaft, im Gegensatz zur derzeitigen Bauart aus Stoffen, die trocken, kühl, sogar kalt wirken können. Das Fachwerkhaus gibt ein Gefühl der Geborgenheit, Ruhe strahlt es aus, auch ein gebündelt Maß an Vollkommenheit. Es ist gebliebenes Zeugnis einer vergangenen Zeit, es fasziniert den Einheimischen, erst recht den Gast und den Fremden.

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Fachwerkhaus mit Schmiede

Ist das Fachwerkhaus auch noch gepflegt, steht es in einem Garten mit grünenden Bäumen und blühenden Stauden, wahrhaftig, man kann sich nichts trauteres und hübscheres als Wohnheim vorstellen. Es ist erstaunlich, in unserer Gemeinde gibt es noch 40 Fachwerkhäuser. Sie sind fast alle noch bewohnt und es ist interessant zu erfahren, daß sie alle aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen. Wieviele Generationen sind da ein und ausgegangen und haben sich wohlgefühlt?
Gediegen, einfach sind diese Häuser gebaut und haben mehr als ein und zweihundert Jahre viel Wärme ausgestrahlt.

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Mit Blumenschmuck

Die Fachwerkbauten in unserer Gemeinde haben alle den alemannisch, fränkischen Baustil, teilweise einstöckig, aber auch mit einem so genannten Kniestock, eineinhalb Stockwerke.

Weidewirtschaft treibende Bürger hatten einen ebenerdigen Hauseingang (Schwelle) und nur einen kleinen Kellerraum. Bürger, die Feldfrüchte pflanzten hatten größere Keller zur Aufbewahrung der Feldfrüchte und zum Hauseingang führten 3 bis 5 Treppenstufen: Letztere haben auch einen Kellerzugang von innen und außen. (Kellerschal) Das eichene Gebälk ruht auf einem Sockel aus Steinquadern. Kalkmörtel, >Schbeis< genannt, oder auch Lehm (Laime) hält das Fundament zusammen.

Das Gebälk ist durch Holzdübel miteinander verzapft, teils wurden auch von Nagelschmieden handgefertigte Nägel verwendet.
Die Hausgiebel sind geschützt durch Vor- oder Wetterdächer. Letztere wurden auch zum trocknen von Welschkorn und Tabak gebraucht. Als Bedachung dienten die roten Biberschwanzziegel unterlegt mit Schindeln.
In kurzen Zeitabständen wurden und werden die Fachwerkgebäude mit Kalkmilch gestrichen, – >gwisslt< – die Eichenbalken dabei mit einer dunklen Ölfarbe hervorgehoben. So machen die Gebäude immer einen ansprechenden, gepflegten Eindruck.

Die Haustüre war zweiteilig, es gab den oberen und den unteren Türteil. Die also zweigeteilte Haustüre hatte ihre Vorteile, daß z. B. bei gutem Wetter der etwa 1 Meter hohe untere Teil geschlossen werden konnte, während das obere Stück offen stand. Dabei kam Frischluft in die Räume aber dem Hausgeflügel und anderem Ziffer war der Eingang verwehrt. Nur der Hahn (Gockler) erlaubte sich manchmal auf den Rand der unteren Tür zu fliegen und sein Kikeriki erschallen zu lassen d. h. der Bäuerin zu melden, daß seine Hühner Hunger haben. Unmittelbar neben der Haustür war das Katzenloch. Ja das stimmt, so nannte man das!
Katzen sollten zu jeder Tages und Nachtzeit Gelegenheit haben, das Haus zu betreten um den Mäusen und anderem Ungeziefer nachstellen zu können.
Aber auch einem anderen Zweck dient die Öffnung, eine solche befindet sich auch an der Außenwand der Küche und das ist so:

Man kannte ehemals weder Schrubber noch Putzlappen.

Das Hausern und auch die Küche waren meist mit Sandsteinplatten ausgelegt. War nun Putztag wurde ein Kübel Wasser ins Ern und in die Küche geschüttet und mit einem Birken- oder Pfirmme-Besen zum Katzen- bzw. Küchenloch wieder hinausgefegt. Der Unrat auf den Steinplatten ging mit und der Putz war fertig.

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