Sandweierer Sandbauern und ihre Pferde
Eine weitere interessante Anweisung besagte, dass man beim erstmaligen Anspanne des Pferdes nach mehreren Ruhetagen die morgendliche Fütterung ausfallen lassen sollte. Das Pferd sollte nüchtern zur Arbeit kommen Natürlich wurde in den regelmäßig erscheinenden Merkblätter „Pferdeschutz“ wie schon erwähnt, die Merkmale der verschiedene Krankheiten beschrieben und so den Tierhaltern die Möglichkeit gegeben, sie zu erkennen und rechtzeitig um tierärztliche Hilfe bemüht zu sein. Um möglichst frühzeitig einschreiten zu können bestand die Versicherungs-Anstalt bei erheblichen Erkrankungen auf unverzügliche Anzeigepflicht. Die meisten oben genannten Pferdekrankheiten bewirkten bei befallenen Tieren die verschiedensten Lähmungserscheinungen, die natürlich oft einen längeren Arbeitsausfall zur Folge hatten
Nun noch einige Angaben über die Pferdeversicherung selbst. Der Landwirt Johann Merkel aus Sandweier hatte eine schwarzbraun Stute versichert. Die „Prolongations- (Verlängerungs) Police“ vom 20. September 1905 für das Versicherungsjahr 1905/1906, die vorliegt, gibt für das Tier einen Versicherungswert von 600 Mark an. Merkel muß dafür halbjährlich eine Prämie von 13,50 Mark bezahlen. Folgepolicen lassen erkennen, dass mit zunehmendem Alter des Pferdes der Versicherungswert sinkt, damit aber auch die ; entrichtende Prämie geringer wird. So weist die Prolongations-Police vom l. Oktober 1911 für das Versicherungs-Jahr 1911/l912 für das jetzt 14 ? Jahre alte Pferd einen Versicherungswert von 480 Mark aus, die Halbjahresprämie beträgt nun nur noch 9,45 Mark. Zweifellos hat diese für jene Zeit recht fortschrittliche Einrichtung mit ihren manchmal vielleicht etwas lästig empfundenen Vorschriften manche „Sandbauern“, aber auch sonstige Landwirte vor größerem Schaden bewahrt und gerade in unserem Dorf Gutes bewirkt.
(Quelle: Jahresrückblick Sandweier 2003)