Die Schallmeienkapelle und die Standarte des Radfahrvereins Immergrün

Doch nun einige Bemerkungen zu den Musikinstrumenten der Schalmeienkapelle. Mit den schon im Mittelalter erwähnten Schalmeien haben sie nichts gemeinsam. Jene waren Holzblasinstrumente, die Vorfahren der heutigen in großen Orchestern vorhandenen Oboen. Die Schalmeien auf unserem Foto sind Blechblasinstrumente und verwandt mit den Signalhörnern (Martinshörner). Wie ersichtlich sind mehrere verschieden lange, konisch geformte Röhren zu einem Mundstück vereinigt. Die Töne wurden durch Membrane erzeugt, diese durch den Luftstrom des Bläsers in Schwingungen versetzt. Die Form und die Länge der Röhre bestimmte die Tonhöhe. Besonders hervorstechend war und ist bei dieser Art von Schalmeien der fast schrille, laute Klang der Töne, die vom Bläser nicht veränderbar waren. Nur durch die Betätigung von Ventilen konnten sie unterbrochen werden.

Ihre Tradition hat die Schalmeienmusik in der Weimarer Republik, wo die Demonstrationen und Veranstaltungen von meist stark linksgerichteten Parteien und Gruppierungen der Arbeiterbewegung durch Schalmeienkapellen begleitet wurden. Unsere hier gezeigte Schalmeienkapelle des Radfahrvereines war also recht modern aber sicherlich nicht politisch aktiv. Kapellen dieser Art wurden übrigens 1933 durch die Nazis zum großen Teil verboten. Heute gibt es wieder zahlreiche Kapellen, die Schalmei findet aber auch Verwendung in den fastnächtlichen „Guggenmusiken“.

Abschließend noch einige Bemerkungen zur Standarte des Radfahrvereins Immergrün, wie sie auf unserem Foto gezeigt wird. Nachdem sie aufgrund ihres Alters doch schon recht mitgenommen aussah, war eine grundsätzliche Restaurierung erforderlich. Dies wurde durch die Gro-Ka-Ge Sandweier, die als Rechtsnachfolger des Radfahrvereins anzusehen ist, in die Wege geleitet. Die sehr wertvollen und handarbeitlich seltenen Stickereien konnten vollständig übernommen werden, so dass die restaurierte Standarte genau so aussieht wie ursprünglich. Sie zeigt auf der einen Seite einen stolzen Radfahrer, auf der anderen Seite das alte seit 1903 bis nach dem 2. Weltkrieg gültige Wappen, eine Eiche mit schwarzem Stamm und grüner Baumkrone. Darin sind eingestickt 8 braungoldene Eicheln. Es dürfte dies wohl die einzige heute noch vorhandene farbige Darstellung des ehemaligen Sandweierer Wappens sein. Die Restaurierung der Standarte war recht kostspielig, doch Präsident Jürgen Schneider von der Gro-Ka-Ge konnte zahlreiche Sponsoren gewinnen. Ihnen allen ist ein herzliches Dankeschön zu sagen. Die Standarte wurde unserem Heimatmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und wird damit der Öffentlichkeit zugänglich. Sie stellt wahrlich ein echtes Stück Heimatgeschichte dar. Deshalb auch die Niederschrift dieses heimatkundlichen Berichtes.

(Quelle : Jahresrückblick 2004)

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